2021 gründete sich die Regionalwert AG Münsterland. Seitdem leitet Dr. Anja Oetmann-Mennen als Vorständin die Geschäfte. Als promovierte Agrarwissenschaftlerin engagiert sie sich für eine ökologische Wende im Münsterland.
In einem Satz: Wofür steht eure AG?
Unsere AG steht für die Transformation unserer regionalen Land- und Ernährungswirtschaft hin zu einer enkeltauglichen Wirtschaftsweise. Denn auch künftige Generationen haben ein Recht auf gesunde Böden, gesundes Klima und gesunde Nahrung. Unser Ziel ist eine möglichst hohe regionale Ernährungs-Resilienz.
Welches Problem wollt ihr mit eurer Arbeit lösen?
Im Münsterland haben wir nur ungefähr 2% Bio-Landwirtschaft. Ich wohne hier seit 20 Jahren und es hat sich in der Zeit fast nichts geändert. Wir haben extrem viel Tierhaltung: viele Schweine, viele Bullen, viel Geflügel. Das hat historische Gründe, das Münsterland hat viele Standorte mit sehr leichten oder auch moorigen Böden, da ging die Beratung schnell hin zur „Veredelungswirtschaft“. Wir wollen (das war immer unser Ziel, das ist unser Leitbild) den Bioanteil erhöhen. Wenn wir von 2% auf 10% kämen, wäre das ein super Erfolg!
Aber auch einige regenerative Bewirtschaftungsmethoden sind natürlich hilfreich für die Bodengesundheit. Zentral ist ein Umbau der Flächennutzung weg von über 80% Energie- und Futterpflanzen hin zu einer größeren Kulturartenvielfalt für die direkte menschliche Ernährung. Und natürlich möchten wir Strukturen wieder aufbauen. Wir haben hier im Münsterland fast keine Verarbeitung und kaum regionale Logistik. Der Handel stützt sich wie überall auf Importe, oftmals von weit her und „billig“. Für die Gesellschaft ist das dann am Ende teuer! Wir wollen die Regionalität wieder aufbauen – das ist das Ziel aller Regionalwert AGs. Darum heißen wir auch so. Also: Landwirtschaft umkrempeln, und es Menschen ermöglichen und sie dazu ermutigen, mehr regionale Bio-Produkte zu konsumieren und dadurch eben Nachhaltigkeit und die Existenz regionaler Betriebe zu sichern.
Was hat dich persönlich motiviert, diesen Weg zu gehen?
Zunächst mal muss ich sagen: Ich selber komme eigentlich aus der Stadt. Ich bin in Wuppertal geboren, hatte eigentlich mit Landwirtschaft nichts am Hut, außer, dass ich bei meiner Cousine auf dem Milchviehbetrieb die Kinder gehütet habe im Sommer. Und dort ist meine Liebe zur Landwirtschaft entstanden. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, immer schon gewesen, und ich habe damals mit 16 beschlossen, ich will Landwirtschaft studieren! Da haben mich alle für verrückt erklärt. Warum soll man so was tun?
Aber ich habe damals immer schon gespürt, Landwirtschaft ist der Bereich, in dem wir als Menschen den größten Berührungspunkt mit der Natur haben. Und wenn wir da nicht schaffen, in Frieden mit der Natur zu leben, dann schaffen wir es gar nicht. Und für mich war immer schon das Kombinieren von Naturschutz und Landwirtschaft sehr wichtig, obwohl ich selbst gar nicht viel von Landwirtschaft verstanden habe. Im Studium habe ich dann mehrere Praktika gemacht und die Landwirtschaft richtig kennengelernt. Allerdings die konventionelle, denn damals gab es den Ökolandbau noch nicht als Studienfach. Den habe ich dann aber bei meiner Promotion in Witzenhausen kennengelernt. Ich habe mich dort mit genetischer Diversität von Ökotypen im Grünland beschäftigt und das hat mir total die Augen geöffnet! Ohne Vielfalt und Diversität in der Natur bekommen wir überhaupt gar nichts hin, das ist die Grundlage aller Resilienz und Zukunftsfähigkeit.
Mein Mann und ich, wir sind beide Agraringenieure und wir arbeiten auch schon seit 30 Jahren in der Ausbildung zum Ökolandbau für osteuropäische Studierende. Das heißt, den Kontakt zu Biobetrieben hatte ich immer. Nach dem Umzug aus Bonn ins Münsterland war es für mich aber sehr schwierig, als promovierte Agraringenieurin einen Job zu finden, abgesehen davon, dass ich nur etwas tun und voranbringen wollte, was meinen Werten und Überzeugungen entspricht.
Während meiner freiberuflichen Tätigkeit lernte ich dann die Regionalwert-Idee kennen. Da wurde mir klar: das ist der richtige Ansatz. Wir können nicht immer nur appellieren, warten drauf, dass die Verbraucher sagen „Ich bin jetzt so nett und kaufe jetzt mal (im Idealfall regionales) Bio, aber wenn es knapper wird, greife ich wieder zu den Billigangeboten.“ Sondern wir brauchen stabile Wertschöpfungs-, besser noch Wertschätzungsnetze.
Und da wurde mir klar: Nachhaltigkeit bedeutet in vielen Fällen einen Mehraufwand und speziell in der Landwirtschaft auch geringere Erträge, da befindet man sich in einem ungerechten Wettbewerb. Wie sollen unsere Betriebe regionales Bio verkaufen, wenn sie immer mit der Tomate aus Spanien und der Quinoa aus China konkurrieren müssen? Das zu unterbrechen können wir nur schaffen, wenn wir dauerhaft Geld in das regionale System fließen lassen, um den Mehraufwand für die Zukunftsfähigkeit auch finanziell auszugleichen. Und dafür muss die gesamte Gesellschaft Mitverantwortung übernehmen! Das war der Punkt, der mich an der Regionalwert-Idee bis heute überzeugt.
Das ist es, was uns unterscheidet und wir müssen den Menschen klarmachen: Ihr müsst Mitinhaber:innen eurer regionalen Land- und Ernährungswirtschaft werden. Ihr müsst Mitverantwortung übernehmen, wenn ihr hier gut essen, gut leben und eine gesunde Umwelt haben wollt. Denn wenn hier die Lieferketten zusammenbrechen, dann essen wir 3 Wochen lang die Schweineställe leer (falls es noch einen Metzger gibt) und dann war‘s das. Deshalb braucht es vielfältige, florierende regionale Betriebe, die für uns alle in der Region die Ernährung sicher, vielfältig und resilient machen.
Was treibt dich an, weiterzumachen? Gibt es ein Lebens- oder Arbeitsmotto?
Allen voran habe ich eine intrinsische Motivation, die immer schon da war und die ich nicht wirklich erklären kann. Nichtstun ist schließlich auch keine Lösung! Und natürlich engagiere ich mich letztendlich auch für meine Kinder. Die sind schon erwachsen und ich habe bislang keine Enkel. Darüber bin ich gerade nicht wirklich betrübt, weil ich mir ehrlich gesagt Sorgen mache um die Welt, in der sie leben müssten, wenn wir das Ruder nicht rumreißen. Es ist nicht witzig, was auf sie zukommt.
Egal auf welcher Ebene, ob es Kommune ist, ob es Land ist, ob es Bund ist: Bei Entscheidungen steht immer die Ökonomie vorne. Wir wissen aber mittlerweile, dass in der Nachhaltigkeit die Ökologie den Rahmen vorgeben müsste. Das heißt, wenn immer zuerst die Nachhaltigkeit vorne stehen würde, die ehrliche Nachhaltigkeit, dann müsste sich das Soziale und das Ökonomische immer darin einbetten und innerhalb dieser Grenzen agieren.
Mein Lebens- und Arbeitsmotto würde also lauten:
„Sustainability first!“. Wenn man es konsequent zu Ende denkt, dann gilt das für alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Und letztendlich auch global!
Wie sieht ein Arbeitsalltag als Vorständin aus?
Das ist eine gute Frage. Mädchen für alles, würde ich sagen. Ich habe 2021 ohne juristische Vorkenntnisse diese AG mit aufgebaut, aber habe mir das wirklich deutlich einfacher vorgestellt: Die Gründungsbürokratie mit Notaren, Anwälten und sonstigen Leuten hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Auf der anderen Seite habe ich natürlich in den letzten Jahren sehr viel gelernt. Es macht ja auch unheimlich viel Freude, Neues zu lernen und nicht immer nur auf der Stelle zu treten. Allerdings benötigt man eben viel juristisches Fachwissen, und das ist sehr teuer. Sowas kann eine kleine gemeinwohlorientierte Bürger-Aktiengesellschaft, wie wir sie sind, im schlimmsten Fall finanziell gar nicht stemmen!
Und mein Tagesablauf, der ist nie gleich. Dass ich seit nun fast einem Jahr allein im Vorstand bin, macht es nicht leichter. Ich habe und suche natürlich den Austausch mit sehr vielen Menschen. Man könnte es so sagen: Ich halte quasi mindestens 12 Bälle gleichzeitig in der Luft. Und ich wache auch morgens manchmal auf und denke, nein, jetzt sind mir 11 runtergefallen. Wo sind sie? Aber wenn ich aufstehe, dann weiß ich schon wieder ungefähr „Ja den muss ich noch holen und da fällt noch ’n Ball und da läuft noch einer und…“.
Es sind sehr viele Teilprojekte, an denen ich arbeiten muss, wo ich Termine vereinbaren, Gespräche führen muss. Ich bin im Austausch mit dem Aufsichtsrat, mit unseren Partnerbetrieben, dem Netzwerk, den Ehrenamtlichen, kümmere mich um Bürokratie und Buchhaltung. Da ist die Vorbereitung und Durchführung des Treffens der Initiativgruppe oder die Teilnahme an anderen wichtigen Treffen und Meetings. Und natürlich steht jedes Jahr eine Hauptversammlung an, die sehr aufwändig zu organisieren ist. Dafür müssen auch Anwälte und Notare involviert, Räume gebucht, Verpflegung bestellt, Einladungen geschrieben und versendet werden. Unzählige kleine und große Aufgaben.
Fazit: kein Tag gleicht dem anderen. Zudem organisiere ich gemeinsam mit unseren ehrenamtlich tätigen Botschafter:innen kleinere Bildungsprojekte mit der Regionalwert Münsterland gGmbH, deren ehrenamtliche Geschäftsführerin ich seit 2025 auch noch bin.
Im Moment stehen wir vor großen Herausforderungen. Die Politik macht beängstigende Rückwärtsbewegungen im Nachhaltigkeitsbereich, es herrscht wieder „Economy first!“
Gab es eine Beteiligung, die dich besonders bewegt hat?
Also natürlich war die erste Beteiligung schon mal die eindrücklichste. Da haben wir uns an einem Bioladen beteiligt. Das war für mich sehr emotional. Hier handelt es sich um zwei Musiker, die eigentlich schon 30 Jahre wunderbare Lebensmittel hergestellt haben als Hobby, aber hauptberuflich Musiker waren. Durch die Corona Pandemie mussten sie das aber sehr schnell umplanen. Und dafür hatten sie nur einen Marktstand und haben dort ihre selbst produzierten Sachen verkauft. Das ist natürlich für ein Familieneinkommen schwer auskömmlich. In ihrer Stadt wurde dann ein Bioladen frei und den wollten sie gerne übernehmen. Aber sie hatten natürlich überhaupt keine finanziellen Ressourcen dafür. Unsere Beteiligung als Regionalwert AG hat ihnen das damals ermöglicht. Das sind Menschen, die so viel zurückgeben, die das Netzwerk stärken, die immer wieder an uns denken, die mit uns arbeiten, die immer bereit sind zum Stammtisch zu kommen, die immer in der Vernetzung sind mit ihren Produkten und die auch von den Partnerbetrieben Produkte kaufen, soweit sie sich das leisten können.
Also das ist für mich so ein Zeichen: Geld ist doch nicht alles auf der Welt. Aber leider bestimmt Geld den Alltag der Betriebe, deren Umsätze nicht in dem Maße wachsen wie es die Kosten tun!
Aber auch unsere anderen Partnerbetriebe sind wirklich großartig. Und ich stehe auch nach wie vor hinter jeder Investition, die wir getätigt haben. Unsere Beteiligungen sind alle netzwerkaffine Investitionen, die wirklich nicht nur einem Betrieb zugutekommen. Und ich hoffe nur einfach, dass wir sie nicht verlieren. Denn im Moment stehen wir vor großen Herausforderungen. Die Politik macht beängstigende Rückwärtsbewegungen im Nachhaltigkeitsbereich, es herrscht wieder „Economy first!“. Das macht besorgt.
Warum lohnt es sich, in die Regionalwert AG zu investieren?
Als Aktionär lohnt es sich – rein finanziell betrachtet – eben noch nicht, das haben wir aber allen immer offen gesagt. Unsere Aktien erzeugen einen Gewinn mit Sinn, das ist eine Investition in die Zukunft aller Kinder und Enkel in unserer Region. Je mehr Menschen investieren, umso mehr können wir der Region zuführen, und das kommt der Natur, unserer Umwelt und letztlich uns allen zugute.
Für Unternehmen ist es ein Standortvorteil: die Mitarbeiter müssen jeden Tag essen und ich glaube, dass es für viele junge Menschen heute auch ein Argument ist, sich für ein Unternehmen zu entscheiden, dass sich hier glaubwürdig engagiert. Und zwar nicht nur für eine Baumpflanzung in Afrika, die leider oftmals gar nicht stattfindet, sondern für die eigene Region, ganz konkret. Und wenn sie vielleicht auch mal Teamtage auf Höfen veranstalten oder Betriebe kennenlernen – dann kommen da auch wieder ganz neue Projekte zustande. Und natürlich können Unternehmen dieses Engagement auch in ihre eigene Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichterstattung aufnehmen.
Wie können Menschen konkret bei euch mitmachen oder etwas beitragen?
Bei uns kann man sich als Botschafter:in engagieren, da ist jede:r herzlich willkommen. Schön ist natürlich, wenn die Leute sogar schon ein paar Ideen haben. Man kann sich hier super gut selbst einbringen! Zum Beispiel, wenn jemand sich darum kümmern würde, Betriebe anzusprechen und in unser Netzwerk zu holen. Oder mich bei meiner Vorstandstätigkeit oder dem Aufbau der gGmbH zu unterstützen. Es wäre natürlich für mich auch sehr wertvoll, wenn Unternehmen sich mit ihren Ideen und Wünschen einbringen. Auch politische Kontakte sind wertvoll. Wir haben einen Aktionär, der kann wunderbare Videos drehen! Das ist für uns schon öfter eine große Unterstützung gewesen.
Also jede:r kann letztendlich Talente einbringen. Unsere Aktionär:innen sind natürlich eher diejenigen, die sich finanziell beteiligt und den Aufbau der Regionalwert Münsterland getragen haben. Aber auch da freuen wir uns genauso über tatkräftige Mithilfe. Also: Alle Talente und Ideen gerne einbringen!
Ich träume von einem ernährungsresilienten, solidarischen Münsterland, in dem so etwas wie eine Regionalwert AG irgendwann mal gar nicht mehr gebraucht wird.
Was müsste sich gesellschaftlich oder wirtschaftlich ändern, damit Unternehmen wie deines wachsen können?
Ich finde es ganz wichtig, dass Gemeineigentum, also Dinge die unsere Grundbedürfnisse befriedigen, grundsätzlich nicht privatisiert werden sollten. Wenn ich ausreichend finanzielle Ressourcen hätte, würde ich landwirtschaftliche Flächen sichern und dann nachhaltig wirtschaftenden Betrieben zu bezahlbaren Preisen dauerhaft und sicher zur Pacht zur Verfügung stellen. So macht es die Kulturland e.G. Landwirt:innen müssen das Land nicht besitzen, um es nachhaltig zu bewirtschaften. Aber sie müssen Planungssicherheit haben und sich die Pacht leisten können. Boden ist leider zu einem Spekulationsobjekt geworden. Und bei den Pachtpreisen, die hier vorherrschen, wie und warum soll ein Landwirt da investieren in Humusaufbau oder Agroforst? Da fehlt der Gemeinsinn, finde ich.
Das Problem ist die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verloren gegangene Verbindung vieler Menschen zu ihren natürlichen Lebensgrundlagen. Es ist noch ein weiter Weg dahin, verständlich zu machen, dass wir alle vom Boden leben und dass der nicht vermehrbar ist! Es so wichtig ist, den Boden wieder zu pflegen und lebendig zu halten. Also es gibt Millionen von Ansatzpunkten. Man könnte sich den Mund fusselig reden. Ich frage mich, ob die Menschheit wirklich vor die Wand fahren muss. Denn das wird brutal.
Und: man braucht eben für alles Geld. Aber ich glaube, das ist auf der anderen Seite auch der Lösungsansatz. Das Geld muss für ökologische Ziele eingesetzt werden. Mich inspiriert da momentan sehr der Roman „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson (2023). Der Roman beruht auf den Theorien eines asiatischen Ökonomen, Danton Chen. In der darin entstehenden globalen Gesellschaft gibt es einen globalen Carbon-Coin, eine Blockchain-Währung. Konsequente Vermeidung von Treibhausgasemissionen wird belohnt und Steuerflucht gibt’s da auch nicht mehr!
Aber das bedeutet, wir müssen uns als Erdenbürger begreifen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir sofort einen Personalausweis als Erdenbürgerin ausstellen lassen! Und dann können von mir aus die nationalen Grenzen alle weg und wir müssen alle die gleichen Bedingungen haben.
Wenn die Politik sich klar für eine nachhaltige Landwirtschaft aussprechen würde, dann wäre die Arbeit der Regionalwert AGs auch leichter! Es müssten z.B. deutlich mehr Fördergelder in die Erforschung und Etablierung ökologischer Landbaumethoden fließen. Und schädliche Subventionen müssen dringend abgebaut werden. Und wenn sich dann noch viel mehr Menschen bei unseren AGs finanziell einbringen, haben auch wir viel mehr Möglichkeiten, unsere Ziele zu verfolgen und zu erreichen.
Ein Satz, der Mut machen soll, sich zu engagieren?
Sich zu engagieren lohnt sich immer, weil man mit Menschen in Kontakt kommt, die die gleichen Werte haben und mit denen man gemeinsam etwas erreichen kann. Und das ist immer schöner als zu Hause zu sitzen und Frust zu schieben. Es ist immer lohnend, sich zu engagieren für eine gute Sache. Und es geht um die Lebensumwelt kommender Generationen!
Welche Frage, die ich dir nicht gestellt habe, hättest du gerne beantwortet?
Vielleicht diese: „Wie soll es mit der Regionalwert-Idee im Münsterland weitergehen?“
Tja, hier tummelt sich dieser unselige Geist des Geldes, der überall durchgreift. Und man kann den Leuten ja noch nicht mal einen Vorwurf daraus machen. Wir müssen als AG gewinnorientiert arbeiten. Alle rümpfen die Nase über unsere hohen Verlustvorträge. Aber wir haben doch so viele Mehrwerte in der Region geschaffen. Warum stehen die nicht bei uns in der Bilanz? Ein wichtiger Punkt: Die Bilanzierung muss einfach geändert werden! Wenn ich nachhaltig arbeite, dann muss das als Wert auch in meiner Bilanz stehen, wie die Regionalwert Leistungsrechnung z.B. im Bereich Landwirtschaft es will. Christian Hiß nennt das „Richtig Rechnen“.
Ich arbeite aktuell mit einer Gruppe Ehrenamtlicher an einem neuen „Geschäftsmodell“ für die Regionalwert AG und gGmbH. Wir lassen uns dabei von der Universität Münster begleiten. Das ist für mich sehr wertvoll, denn ich allein kann hier die Welt nicht retten. Es müssen Menschen mit ihren Ideen und beruflichen Hintergründen und Erfahrungen zusammenkommen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Wie es mit Regionalwert Münsterland weitergeht, steht also noch in den Sternen. Ich werde so lange weitermachen, wie ich es mir finanziell und gesundheitlich noch leisten kann. Ich hoffe, dass meine aktuellen Aktivitäten dazu führen, dass ich in absehbarer Zeit die Geschicke der Regionalwert Münsterland (AG und gGmbH) in jüngere Hände geben kann. Und dass bis dahin die AG die damit verbundene Arbeit auch wieder entlohnen kann. Ich träume von einem ernährungsresilienten, solidarischen Münsterland, in dem so etwas wir eine Regionalwert AG irgendwann mal gar nicht mehr gebraucht wird!
Wen würdest du als Nächstes für ein „Quick Questions“-Interview nominieren?
Da möchte ich gern die Regionalwert AG Franken nominieren! Das sind echt nette Leute, die gehen ein bisschen einen eigenen Weg. Die Vorständin Maria Zeußel ist wirklich super und das Team hat ganz interessante Ansätze.
Sollen wir ihnen etwas ausrichten?
Ich würde so gerne mal wieder einen Austausch organisieren! Am besten nicht wieder bei 35 Grad so wie letztes Mal, da mussten wir es dann leider ausfallen lassen. Aber Franken ist sehr spannend, sie haben viel Erfahrung. Also: Liebe Grüße von mir!
Vielen Dank an Anja für das offene Gespräch und ihren Einsatz für eine nachhaltige Landwirtschaft im Münsterland. Wer Lust hat, die Region mitzugestalten, findet bei der Regionalwert AG Münsterland viele Möglichkeiten zum Mitmachen. Bleibt neugierig und engagiert – gemeinsam geht’s voran!